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Illustration of a group providing feedback Picture from Gerd Altmann on Pixabay

Lassen wir uns von sozialen Medien unsere Meinung vorschreiben?

Zuletzt aktualisiert am Montag, 23/05/2022

Soziale Medien präsentieren dir lediglich Inhalte, die dir gefallen könnten. Doch was, wenn dir nicht nur Katzenvideos auf Basis des neulich angeschauten Katzenvideos angezeigt werden, sondern du nur noch ähnliche Meinungen in deinem Newsfeed findest?

Wovon lebt Demokratie? Von unterschiedlichen Meinungen. Von verschiedenen Weltbildern. Von Pluralismus. Eine echte und funktionierende Demokratie braucht Meinungsvielfalt und Diskussion. 

Was ist nun aber, wenn die Meinungsvielfalt nicht gegeben ist? Wenn nur eine einzige Meinung existiert? Klingt erst einmal nach einem typischen Merkmal einer Diktatur. Doch durch die wachsende Bedeutung von sozialen Medien findet heutzutage auch in Demokratien eine Meinungsfilterung statt. Steile These, oder? Aber mache dir folgende Situation bewusst: Du hast auf den sozialen Medien einen Beitrag gelikt – vielleicht hast du ihn nicht einmal gelikt, sondern ihn einfach etwas länger angesehen als du im Durchschnitt andere Beiträge ansiehst – und kurz darauf werden dir ähnliche Beiträge vorgeschlagen. So funktionieren soziale Medien – Algorithmen berechnen auf Grundlage der früher angeschauten Beiträge, welche Inhalte dich interessieren und dir gefallen könnten und nur diese werden dir in deinem Newsfeed angezeigt.

Das führt dazu, dass du in den sozialen Medien in einer Blase landest, in der du nur deine eigene Meinung wiederfindest, denn der Algorithmus hätte versagt, wenn er zum Beispiel erkannt hat, dass du dich für queere Menschen einsetzt und dir dennoch den Beitrag einer homophoben Person anzeigt. Was du einmal denkst, bestimmt deine angezeigten Inhalte und beeinflusst damit wiederum dein Denken. 

Die fehlende Konfrontation mit einer entgegengesetzten Meinung lässt den Diskurs wegfallen – aber genau dieser Diskurs ist für die Meinungsbildung essenziell. Man kann die eigene Meinung nicht kritisch hinterfragen, wenn man keinen Kontakt mit anderen Meinungen hat. Kritisches Hinterfragen ist jedoch ein wichtiger Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft. 

Problematisch – und unter Umständen demokratiegefährdend – ist auch, dass sich die eigene Meinung potenziert, da sie nicht nur nicht hinterfragt wird, sondern in dieser Blase, in der man sich bewegt, auch noch ständig bestätigt wird. Nun stelle dir vor, ein*e Nationalist*in bekommt Beiträge zu sehen, die sie*ihn in ihrer*seiner Meinung bestärken, radikalisiert sich dabei immer weiter und landet nach und nach in einer extremistischen Blase… 

Was kann man aber tun? Diese Algorithmen haben ja durchaus bis zu einem gewissen Grad eine Existenzberechtigung, immerhin ist die Masse an Beiträgen so groß, dass es Sinn ergibt, nur die relevanten Inhalte angezeigt zu bekommen. Eine mögliche Entschärfung des Problems wäre es, die Algorithmen für alle transparent zu machen, sodass jede*r genau versteht, welche Inhalte ihr*ihm warum angezeigt werden. Doch auch du persönlich kannst etwas tun: sei dir beim Anschauen deiner Social-Media-Inhalte bewusst, dass du nur Beitrage siehst, die deiner Filterblase entsprechen. So verhinderst du, dass du dich dazu verleiten lässt, zu glauben, deine Meinung entspreche der Meinung der Mehrheit und sei die einzig wahre Meinung. Dein Newsfeed ist kein Abbild der vielfältigen Meinungslandschaft in der Realität! Es ist darüber hinaus ebenso wichtig, dich aktiv mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen, um auch deine eigene Meinung kritisch zu hinterfragen. Bewege dich also auch bewusst außerhalb deiner Blase, beispielsweise, indem du deine Nachrichten nicht ausschließlich über soziale Medien beziehst, sondern etwa auch von den „klassischen“ Medien wie etwa Zeitung.
 

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Meet the author Mai Ly Le

"I am Mai Ly, 17 years old and I come from Darmstadt, Germany. At my school, I have founded a school newspaper and enjoy standing up for students’ rights as head girl. In my freetime, I play the violin, dance acrobatic Rock’n’Roll and read a lot."

 

This article reflects the views of the author only. The European Commission cannot be held responsible for it. The original version of this article was written in German.

 

dehaze